„Die Wiege der Kirche, der Christenheit ist der Orient.“ C. Detlef G. Müller (Geschichte der orientalischen Nationalkirchen, Göttingen 1981)

Die Arabische Welt sowie Länder Vorder- und Zentralasiens – auch als „Orient“ bezeichnet – werden zumeist als rein muslimische Gesellschaften wahrgenommen. Doch leben hier viele der ältesten christlichen Gemeinschaften. Die Seite informiert über Historisches und Aktuelles zum Thema Christen im Nahen und Mittleren Osten.

Das so genannte „orientalische“ Christentum hat eine bemerkenswerte Vielfalt aufzuweisen und gerade für „Neueinsteiger“ ist es manchmal nicht einfach, den Überblick über die verschiedenen Kirchen und Konfessionen zu bewahren.

Für eine erste kleine Einführung: Die in Deutschland vertretenen christlichen Hauptkonfessionen römisch-katholisch sowie lutherisch-evangelisch finden sich auch im Nahen und Mittleren Osten, wenngleich die beiden Konfessionen dort weniger Einfluss und Mitglieder haben als die angestammten Kirchen. Allerdings gibt es viele andere, teilweise auch deutlich ältere, Gemeinden. Hierzu gehören u.a. die Kopten Ägyptens, die mit Rom unierten Maroniten des Libanons, die Syrisch-Orthodoxe Kirche sowie die Griechisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien mit Sitz des Patriarchen in Damaskus/Syrien.

Deutsche Theologen des 19. und 20. Jahrhunderts waren der so genannten „östlichen“ oder „orientalischen“ Kirche in nicht wenigen Fällen aus einer eurozentristischen Perspektive heraus tendenziell negativ eingestellt, so etwa Friedrich Naumann (1860-1919) oder auch Paul Rohrbach (1869-1956), die aus ihrer ablehnenden Haltung kein Geheimnis machten. Die östlichen Kirchen wurden oft als negativer Gegensatz zur „Aufklärung“ verstanden und letztlich vollzog dann der konservative US-amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington (1927-2008) den letzten Denkschritt von der Abwertung zum Ausschluss der Orthodoxie aus der westlichen Wertegemeinschaft (vgl. hierzu und zur Haltung deutscher Theologen M. Tamcke, „Christen in der islamischen Welt“, 2008, C.H. Beck, S. 62 ff.).

Mittlerweile scheint zumindest bei einigen Theologen und Kirchenvertreter des Westens eine größere Offenheit für die Geschwister im Nahen und Mittleren Osten vorhanden zu sein, wenngleich noch immer eine große Distanz zwischen „Orient“ und „Okzident“ auch im innerchristlichen Verhältnis herrscht und Vorbehalte in der Westkirche auch weiterhin Bestand haben.

Insofern möchte dieser Blog auch einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Distanz abzubauen und Verständnis füreinander zu fördern.

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