In diesem Blog möchte ich bei Gelegenheit auch über positive Beispiele für Koexistenz und Kooperationen zwischen Christen und Muslimen in mehrheitlich muslimischen Gesellschaften berichten. Solche Beispiele gibt es und sogar mehr, als man vielleicht denken man, auch wenn einige Autor*innen durch ihre Themenauswahl und Schwerpunktsetzungen in Publikationen zur Situation von Christen im Nahen und Mittleren Osten einen anderen Eindruck vermitteln mögen. Richtig ist, dass Christen im Nahen und Mittleren Osten immer wieder auch unter Druck geraten. Teilweise durch islamistische Kräfte und Terroristen, aber teilweise auch – wie die jüngsten Ereignisse in Gaza, Westjordanland und auch in Libanon zeigen – durch israelische Militär- und Siedlungsmaßnahmen. In der Zeit der Sowjetunion hingegen leideten Muslime und Christen in den Ostblockstaaten gleichermaßen unter der strikten antireligiösen Haltung des Stalinismus.

Teilweise ergeben sich dann wiederum erstaunliche Konstellationen, bei denen die herrschende islamische Partei AKP sich als besserer Kooperationspartner für Christen im Land herausstellt, als die „laizistischen“ Vorgänger, wie zuletzt der Bericht über Tur Abdin in der Türkei zeigte. Eine simplifizierende schwarz-weiß-Sicht auf die Situation des Christentums in muslimischen Mehrheitsgesellschaften wird den vielschichtigen Lebensumständen eben nicht gerecht. Daher ist es ein Anliegen des Blogs, sich zuweilen von dem problemorientierten Blick zu lösen und nach positiven Beispielen für das Zusammenleben zu suchen.

Eine Geschichte, über die ich über das Nachrichtenportal balkaninsight.com aufmerksam wurde, spielt sich in Albanien ab. Ja, auch Albanien gehört zu den mehrheitlich muslimischen Ländern und durch die Geschichte als Teil des Osmanischen Reiches – immerhin über 400 Jahre – ist das Land sowohl europäisch als auch muslimisch geprägt, ähnlich wie Bosnien.

Heute stellen Christen in Albanien einen Anteil von etwa 17%, davon 10% Katholiken und 7% Albanisch-Orthodoxe. Im Nordosten des Landes liegt die Region Debir, wo die Anzahl der Christen heute verschwindend gering ist. Kirchen aus der byzantinischen Ära (3. bis 15. Jhd.), die dann auch während der folgenden Osmanischen Herrschaft Bestand hielten, zeugen von der jahrhundertealten christlichen Tradition und auch vom Zusammenleben von Christen mit einer später mehrheitlich muslimischen Bevölkerung. Die Kirchen wurden von den Dorfbewohnern gemeinsam vor dem Verfall bewahrt, von Christen und Muslimen gemeinsam. Teilweise wurden auch gemeinsame Feste in den Kirchen begangen. Hätte es diesen Zusammenhalt nicht gegeben, würden diese Zeugnisse des frühen Christenstums in der Region heute nicht mehr Bestand haben. Muslime und Christen konnten vielerorts im Osmanischen Reich friedlich nebeneinander und beieinander wohnen, arbeiten und leben. Zum Teil, und das zeigt das Beispiel Debir, ist es gelungen, diese friedliche Koexistenz bis in die heutigen Tage zu erhalten.

Für eine tiefergehende Befassung mit dem Thema Christentum in Albanien empfehle ich den Sammelband „Religion und Kultur im albanischsprachigen Südosteuropa“, Hrgs. J. O. Schmitt, 2010.

Die Geschichte auf Balkan Insight findet ihr hier: In Albania, Christians and Muslims Unite to Protect Religious Heritage | Balkan Insight

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