Der Besuch des Papstes im türkischen Iznik in diesen Tagen macht weltweit Schlagzeilen, führte seine erste Auslandsreise Leo XIV. ausgerechnet in ein Land, das zumeist als tief islamisch geprägt gilt. Doch hat die Türkei eben auch ein altes christliches Erbe vorzuweisen, welches bis heute wirkt. Dort, wo heute die Stadt Iznik liegt, fand vor 1700 Jahren das wohl wichtigste und richtungsweisendste theologische Treffen der frühen Kirchengeschichte statt: Das Konzil von Nizäa.
Das Konzil von Nizäa wurde im Jahr 325 vom römischen Kaiser Konstantin einberufen, um die andauernden Streitigkeiten innerhalb des jungen Christentums zu theologischen Fragen zu beenden und gemeinsame Grundlagen der Religion und Kirche zu finden und zu beschließen. Im Zentrum der – teils erbittert geführten – Diskussionen stand insbesondere die Frage nach dem theologischen Verständnis von Jesus Christus als Sohn Gottes. Auf dem Konzil von Nizäa wurden die Weichen für das heute weitgehend bekannte Konzept der Trinität geschaffen, also die Wesenseinheit Gottes im Vater, Sohn und Heiligen Geist. Als ein überliefertes Ergebnis, in dem sich die damals gefundenen theologischen Dogmen niedergeschlagen haben, ist Nicäno-Konstantinopolitanum oder Großes Glaubensbekenntnis genannt, bekannt.

Ausgrabungen des antiken Nizäa, Iznik, Quelle: Archäologe Kopp skizziert Bedeutung von Nizäa für die Christenheit | DOMRADIO.DE
Ein bis heute bekannter Teilnehmer war übrigens der Bischof von Myra, einer Stadt in der Südtürkei, den wir bis heute als „Nikolaus“ kennen und alljährlich am 6. Dezember ehren.
Papst Leo XIV. nutzte ein ökumenisches Treffen am 28. November, um an dieses Konzil und die damals getroffenen Vereinbarungen und Grundsätze anzuknüpfen und hieraus eine wichtige aktuelle Botschaft abzuleiten. In seiner Rede unterstrich er die Bedeutung der Einheit aller Christen, ging aber hierüber hinaus und rief auch zur Einheit mit allen Menschen, unabhängig ihrer Religion und Herkunft auf.
Im Wortlaut sagte der Papst:
„Es gibt eine universale Geschwisterlichkeit, unabhängig von Ethnie, Nationalität, Religion oder Meinung. Die Religionen sind von Natur aus Hüter dieser Wahrheit und sollten die einzelnen Personen, Gruppen von Menschen und Völker dazu ermutigen, sie anzuerkennen und zu praktizieren (vgl. Ansprache beim Gebetstreffen für den Frieden, 28. Oktober 2025). Das Heranziehen von Religion, um Krieg und Gewalt zu rechtfertigen, muss, wie jede Form von Fundamentalismus und Fanatismus, entschieden abgelehnt werden, während die Wege, die wir einzuschlagen haben, jene der geschwisterlichen Begegnung, des Dialogs und der Zusammenarbeit sind.“

Quelle: VaticanMedia
Es ist sicher eine Aufwertung für die Christen in der Türkei, dass der sich Papst für seine erste Reise die Türkei ausgesucht hat und es ist ein gutes Zeichen für alle Christen, dass damit ein weiterer Schritt der Annäherung zwischen orientalischer und westlicher Kirche getan wurde. Die Worte des Papstes waren sicher sorgfältig gewählt, um die erste Brücke, über die man nun gemeinsam geht, zu festigen und zu erweitern. Nach dem Besuch des Patriarchen von Antiochien im türkischen Tur Abdin Ende August 2025 ist dies nun als ein weiteres Zeichen zu werten, dass die Christen in der Türkei ein neues Selbstbewusstsein pflegen und in westlicher wie östlicher Kirche eine Art Wiederentdeckung ihrer Glaubensgeschwister stattfinden könnte.















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