Liebe Leserinnen und Leser,
es hat länger gedauert, bis ich in 2026 wieder Zeit gefunden habe, auf diesem Blog zu schreiben. Unter anderem hatte dies auch mit der erheblichen Dynamik der Weltlage ab Februar 2026 durch die Angriffe Israels und der USA auf den Iran sowie auf den Libanon und die massive Ausweitung der israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland zu tun. Dies alles zu verfolgen und einzuordnen hat Zeit gekostet, die mich davon abhielten weiter zu veröffentlichen.
Ich wünschte, ich könnte mich mit guten Meldungen zum Dialog und zum Austausch der Religionen melden, aber die Lage im Nahen und Mittleren Osten hat sich im Vergleich zum letzten Jahr leider noch weiter verschlechtert. Ich werde versuchen, dies zumindest für Israel, Palästina, Libanon und Syrien in Bezug auf die dort lebenden Christen zu skizzieren:
Fangen wir mit Israel und den besetzten Gebieten im Westjordanland an: Bereits in einem früheren Beitrag im Herbst letzten Jahres hatte ich über die Gewalt von israelischen Siedlern gegen die palästinensischen Einwohner des christlichen Orts Taybeh berichtet. Seit damals hat sich die Situation weiter verschlechtert. Zuletzt gab es regelrechte Pogrome gegen die indigenen Einwohner des Landes durch radikale Siedler, die ihre Siedlungen – geschützt durch das israelische Militär – immer weiter ausdehnen, neue Straßen bauen, Vieh sowie Hab und Gut der lokalen Bevölkerung stehlen oder auch mit Gewalt rauben und illegal Land in ihren „Besitz“ nehmen. Der Pastor Bashar Fawadleh sagte hierzu in einem Statement: Wir haben das Gefühl, alles zu verlieren“, sagte Pater Fawadleh. „Wir verlieren unser Land, wir verlieren unsere Früchte, wir verlieren unser Einkommen. … Aber wer kann sie aufhalten? Das erzeugt Angst in den Herzen der Menschen.“ (West Bank Christian village terrorized by settler violence)
Kardinal Pierbattista Pizzaballa, der lateinische Patriarch von Jerusalem, sagte auf einem Webinar der International Oasis Foundation : „Die Lage verschlechtert sich ständig: Fast jeden Tag gibt es Angriffe von Siedlern auf palästinensische Dörfer. Es gibt jetzt fast tausend Kontrollpunkte; Palästinenser haben immer noch Schwierigkeiten, sich zu bewegen, und die Genehmigungen wurden größtenteils aufgehoben.“ (ebd.)
Auf einem Video der Nachrichtenagentur AP sind brennende palästinensische Häuser und ausgebrannte Autos zu sehen, die von Siedlern in Brand gesteckt wurden (Israeli settlers torch cars in Christian West Bank village, Palestinians say – YouTube).
Die Lage für Christen aber auch Muslime im Westjordanland wird daher immer unerträglicher.
Ebenso düster sieht es im Nachbarland Libanon aus: Mehrere christliche Dörfer im Süden Libanons wurden durch israelischen Beschuss verwüstet und Einwohner getötet. Ein besonders prominenter Fall ist dabei der von Pater Pierre El Rai, einem maronitischen Priester aus der maronitischen Diözese Tyros (ACN bittet um Gebete für den bei einem libanesischen Angriff getöteten Priester – Kirche in Not). In einem Video war Pater El Rai noch zu sehen, wie er vor einigen Männern des Dorfes stehend sagte, er und die anderen Einwohner werden das Dorf auch im Angesicht von Drohungen und Krieg nicht verlassen. Kurz darauf wurde das Dorf mehrfach bombardiert. Der Pater starb, als er versuchte, anderen zu helfen, die bereits durch einen Luftangriff Israels verletzt worden waren. Vatican News schreibt dazu:
„Laut den Schilderungen von Pater Toufic gegenüber Radio Vatikan hatte ein erster Angriff ein Haus in der Nähe der Pfarrei von Qlayaa getroffen und einen Bewohner verletzt. „Pfarrer Pierre eilte zusammen mit Dutzenden jungen Männern herbei, um dem Verletzten zu helfen“, berichtet der Franziskaner. In diesem Moment erfolgte ein zweiter Luftschlag auf dasselbe Gebäude.“ (Libanon: Pfarrer Pierre El Raii stirbt bei Hilfseinsatz für Gemeindemitglied – Vatican News)
Und auch in Syrien eskalierte zuletzt die Gewalt gegen Christen in der überwiegend christlichen Stadt Suqaylabiyah in der Provinz Hama. Dutzende Männer auf Motorrädern aus der nahegelegenen sunnitischen Stadt Qalaat al-Madiq haben dort Christen und deren Eigentum angriffen. „Wir durchlebten einen Zustand von Terror, Furcht und Panik“, sagte Liyan Dweir, dessen Bekleidungsgeschäft von Kugeln durchlöchert und schwere Schäden erlitt (Sectarian attacks erupt in Christian town in Syria after dispute | AP News). Dem Pogrom gegen die christliche Minderheit war ein Streit zwischen einem Mann aus Suqaylabiyah und einem aus Qalaat al-Madiq vorausgegangen. Es handelte sich demnach nicht um eine staatlich gelenkte Kampagne, sondern um einen Ausbrauch von interkonfessioneller Gewalt, die sich an einem weltlichen Disput entzündete. Regierungstruppen brachten Verstärkungen nach Suqaylabiyah, um die Gewalt zu beruhigen.
Es gibt auch viel über die Lage im Iran und die dortigen Christen zu sagen, doch soll hierauf ein anderes Mal eingegangen werden. Für diesen Sonntag belasse ich es mit den – leider so deprimierenden – Berichten aus der Region, in der die abrahamitischen Religionen ihren Ursprung hatten und von wo aus sie sich verbreitet haben. Mögen die Toten Frieden bei ihrem Schöpfer finden und die Verletzten genesen. Mögen Kinder bald wieder ohne Angst vor Bomben auf den Straßen spielen und die Vertrieben in ihre Häuser zurückkehren können. Und möge dies mehr bleiben, als ein frommer Wunsch.















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