Zugang zur Grabeskirche für den Patriarchen von Jerusalem durch israelische Behörden verweigert
Der letzte Beitrag zur Bestandsaufnahme der Lage für Christen im Nahen und Mittleren Osten war gerade veröffentlicht, da überschlugen sich die Meldungen zur Verweigerung des Zugangs zur Grabeskirche für den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, sowie dem Kustos des Heiligen Landes, P. Francesco Ielpo. Der Vorfall, der historisch einmalig ist, hatte international für große Empörung gesorgt. Der wachsende Druck aus dem Ausland führte letztlich dazu, dass der israelische Präsident Herzog sich entschuldigen musste. Doch die Aussperrung der beiden hohen Kirchenvertreter von der Grabeskirche an einem so wichtigen christlichen Feiertag und damit die manifeste Dominanzbezeugung der israelischen Regierung über die Heiligtümer anderer Religionen sind geschehen und lassen sich nicht ohne weiteres „Rückgängig“ machen. Sie reihen sich zudem ein in weitere ähnliche Vorgänge. Bereits in den letzten Jahren war es nicht nur zu Einschränkungen für christliche Prozessionen und Feiern im Rahmen der Osterfeierlichkeiten in Jerusalem gekommen, sondern auch zu tätlichen Angriffen der israelischen Polizei auf die Gläubigen. Theodosios Hanna, Erzbischof von Sebastia für das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem, sagte in einem TV-Interview mit dem Senderr al-Mamlaka, dass die Maßnahme der israelischen Autoritäten sich in eine Systematik einreihe, die zum Ziel habe, „Jerusalem zu verändern und christlichen, islamischen und palästinensischen Spuren der Heiligen Stadt zu marginalisieren.“ (al-Mamlaka TV, 30.03.2026). Hanna breitet im Sinne dieser Argumentation eine Spanne von der Schließung der al-Aqsa-Moschee, die zum Ende des Ramadan das erste Mal seit dem sechs-Tage-Krieg von 1967 von israelischen Behörden geschlossen wurde (‘The saddest day for Muslim worshippers in Jerusalem’: al-Aqsa mosque closed at Eid | Eid al-Fitr | The Guardian). Auch hier wurde der Zugang zu einem Heiligtum „aus Sicherheitsgründen“ untersagt, so dass die Gläubige gezwungen waren, das Gebet zum Eid al-Fitr (Ende des Fastenmonats Ramadan) außerhalb der Moschee im Freien abzuhalten. Die internationale Staatengemeinschaft hielt sich damals mit Kritik an Israel zurück, während insbesondere die westlichen Staaten vor dem Hintergrund der Ausschließung des Kardinals und des Kustos des Heiligen Lands nun ihre Empörung zum Teil auch vehement zum Ausdruck brachten. Doch der griechisch-orthodoxe Erzbischof Theodosios Hanna hat die Verbindung der zwei Schritte – Schließung der al-Aqsa Moschee und der Grabeskirche – in einem Zusammenhang gebracht und deutet diese Maßnahmen als einen Plan der gegenwärtigen israelischen Regierung, Islam und Christentum sukzessive aus Jerusalem heraus zu drängen, was sich in die Politik der Regierung Netanjahu und des ethno-jüdischen Staats- und Gesellschaftsverständnisses der rechten Parteien Israels einfügen würde.
In dem letzten Beitrag schrieb ich u.a. über die bedrohten Christen im Westjordanland. Leider ist festzuhalten, dass diese Bedrohung nun auch nicht nur für Christen in Jerusalem, sondern gleichermaßen auch für die dort ansässigen Heiligtümer gilt. Und das ist wahrlich alarmierend und bedarf einer verstärkten Aufmerksamkeit der Kirchen und der Vertreter der internationalen Staatengemeinschaft.

Latin Patriarchate of Jerusalem – Joint Press Release: Holy Monday, 30 March 2026















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