Die orthodoxen Kirchen erleben in Deutschland seit einigen Jahren erheblichen Zulauf (Vgl. https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/orthodoxe-kirche-darum-waechst-sie-in-deutschland,UWSw05I und https://www.domradio.de/artikel/die-zahl-der-orthodoxen-christen-deutschland-waechst-und-waechst).
Und so muss man auch nicht ins ferne Ausland fahren, um die orthodoxen Liturgien und Riten selbst erleben zu können. Fast in ganz Deutschland finden sich mittlerweile orthodoxe Gemeinden unterschiedlicher Richtungen.
Dieses Jahr zu Ostern besuchte ich in Hamburg die Kirche des heiligen Nikolaus (griech. Agios Nikolaos). Das denkmalgeschützte Gebäude wurde ursprünglich 1965/66 als evangelische Simeonkirche erbaut und 2003 von der Nordelbischen Evangelisch-Lutherische Kirche verkauft.

Über 2000 Gläubige fanden sich zur Karfreitagsfeier ein Ereignis mit besonderer Liturgie und Ritualen dar. Vor dem Altar steht an diesem Tag zunächst das Kreuz Jesu, aber ohne Jesusfigur, die bereits am Vorabend abgenommen wird. In Liedern und Psalmen wird die Leidensgeschichte von Jesu und der Kreuzigung erzählt. Der Höhepunkt der Feierlichkeit dreht sich jedoch um die symbolische Totenbahre, die das Grab Jesu symbolisiert und auf Griechisch Epitaphios (ἐπιτάφιος) genannt wird. Die Gläubigen gehen unter dem Grabtisch hindurch, nicht ohne zuvor die Ikone darauf geküsst zu haben. Am Abend kommt dann der Priester zum Epitaphios und führt die Prozession in Gedenken an die Leiden Jesu an.
Diesen Abend zu erleben bedeutet Karfreitag mit allen Sinnen zu empfinden und zusammen mit vielen anderen Menschen die Leidensgeschichte Jesu Christi nachzuempfinden und gemeinsam zu trauern. Es sind Riten und Lieder, die sich von all dem abheben, was Besucher evangelischer oder katholischer Gottesdienste gewohnt sind und es wird deutlich, dass die vielfältige Welt des Christentums mittlerweile auch in Deutschland ihren Platz gefunden hat – und das ist auch gut so.




















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