Meine Rezension zum neuen Buch von Pastor Munther Isaac aus Bethlehem ist nun auf Qantara.de veröffentlicht worden: „Christ in the Rubble“ von Munther Isaac: Christliche Argumente gegen den Gazakrieg | Behnam Heidenreuter-Said | Qantara.de

    Wer das Buch noch nicht gelesen hat, wird in der Rezension hoffentlich genügend Anregung finden, es sich zu beschaffen und zu lesen.


    Im Osten Ramallahs, im besetzten Westjordanland, liegt die jahrhundertealte Ortschaft Taybeh. Taybeh gehört zu den überwiegend von Christen besiedelten Orten in der Region. Am Rande dieser Ortschaft haben radikale jüdische Siedler vor wenigen Wochen einen so genannten „Außenposten“ auf der Ruine eines palästinensischen Hauses errichtet, deren Bewohner vor einem Jahr vertrieben wurden.

    Die reichte Agrargegend verfügt über Olivenbaumplantagen und Schafherden, wobei radikale Siedler in den letzten zwei Jahren palästinensischen Bauern und Bäuerinnen immer wieder den Zutritt zu ihrem Land verwehrt haben.

    Pater Bashar Fawadleh, Pfarrer der Kirche Christi des Erlösers in Taybeh, sagte gegenüber ACI MENA: „Die Stadt, die im Johannesevangelium (11,54) als ‚Ephraim‘ bezeichnet wird – der Ort, an den sich Jesus vor seinem Leiden zurückzog –, ist heute für ihre Bewohner nicht mehr sicher… Wir leben nicht in Frieden, sondern in täglicher Angst und Belagerung. Seit letztem Oktober haben mehr als zehn Familien Taybeh aus Angst vor anhaltender Gewalt und Schikanen verlassen.“

    Am vergangenen Mittwoch haben nun Siedler wieder massive Angriffe gegen die in Taybeh und Umgebung lebenden Menschen und ihr Eigentum ausgeführt.

    Die verbliebenen palästinensischen Christinnen und Christen, ebenso wie ihre muslimischen Nachbarn, leben in Angst und Schrecken und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis weitere Familien aufgeben und das Land verlassen, womit das Christentum in seinem Entstehungsland langsam verschwindet.

    Priest warns: Christian town of Taybeh in Holy Land no longer safe amid settler attacks | Catholic News Agency
    West Bank: Three Palestinians killed during Israeli settler attack
    Israeli settlers clash with Palestinians in attack on West Bank villages – The Washington Post
    Footage shows “Israeli” settlers attacking Taybeh village in Ramallah – YouTube

    Der Anschlag auf die Besucher der griechisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Elias, die südlich der Altstadt von Damaskus gelegen ist, war der erste seit der Machtergreifung von  Ahmed Hussein al-Sharaa alias „Abu Muhammad al-Jaulani“ im Dezember 2024. Die Christinnen und Christen in Damaskus reagierten mit einer Mischung aus Bestürzung und Zorn. Die Toten wurden in weißen Särgen mit der Aufschrift „Märtyrer“ (Arabisch: shahid,  شَهيد), durch die Straßen getragen, womit ein Zeichen gesetzt wurde, dass die Bürgerinnen und Bürger Damaskus sich nicht einschüchtern lassen würden. Der Patriarch von Antiochien,  Johannes X. Jasidschi,  hielt eine Ansprache, in der er den Präsidenten al-Sharaa direkt ansprach und ihm mitteilte, dass seine Anteilnahme alleine nicht ausreiche. „Herr Präsident, ich wende mich an Sie: Rufen Sie diesen Tag nicht als Trauertag für uns, die Christen aus.  wir möchten nicht, dass jemand für uns trauert Rufen Sie stattdessen diesen Tag als Trauertag für die Regierung aus. Die Toten, so der Patriarch weiter, seien nicht einfach „Opfer“, sondern „wahrhafte Märtyrer“.

    Die Reaktion auf den Anschlag lässt erkennen, wie tief verwurzelt Christen in Syrien, besonders in Damaskus, sind und wie sie mit großem Selbstbewusstsein auch gegenüber der Regierung ihre Rechte und Anliegen vertreten. 

    Das digitale Netzwerk „Eastern Christians“ hat mittlerweile eine Spendenseite für notleidende und verfolgte Christen veröffentlicht: Stand with Christians in Syria and the Middle East

    „Die Wiege der Kirche, der Christenheit ist der Orient.“ C. Detlef G. Müller (Geschichte der orientalischen Nationalkirchen, Göttingen 1981)

    Die Arabische Welt sowie Länder Vorder- und Zentralasiens – auch als „Orient“ bezeichnet – werden zumeist als rein muslimische Gesellschaften wahrgenommen. Doch leben hier viele der ältesten christlichen Gemeinschaften. Die Seite informiert über Historisches und Aktuelles zum Thema Christen im Nahen und Mittleren Osten.

    Das so genannte „orientalische“ Christentum hat eine bemerkenswerte Vielfalt aufzuweisen und gerade für „Neueinsteiger“ ist es manchmal nicht einfach, den Überblick über die verschiedenen Kirchen und Konfessionen zu bewahren.

    Für eine erste kleine Einführung: Die in Deutschland vertretenen christlichen Hauptkonfessionen römisch-katholisch sowie lutherisch-evangelisch finden sich auch im Nahen und Mittleren Osten, wenngleich die beiden Konfessionen dort weniger Einfluss und Mitglieder haben als die angestammten Kirchen. Allerdings gibt es viele andere, teilweise auch deutlich ältere, Gemeinden. Hierzu gehören u.a. die Kopten Ägyptens, die mit Rom unierten Maroniten des Libanons, die Syrisch-Orthodoxe Kirche sowie die Griechisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien mit Sitz des Patriarchen in Damaskus/Syrien.

    Deutsche Theologen des 19. und 20. Jahrhunderts waren der so genannten „östlichen“ oder „orientalischen“ Kirche in nicht wenigen Fällen aus einer eurozentristischen Perspektive heraus tendenziell negativ eingestellt, so etwa Friedrich Naumann (1860-1919) oder auch Paul Rohrbach (1869-1956), die aus ihrer ablehnenden Haltung kein Geheimnis machten. Die östlichen Kirchen wurden oft als negativer Gegensatz zur „Aufklärung“ verstanden und letztlich vollzog dann der konservative US-amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington (1927-2008) den letzten Denkschritt von der Abwertung zum Ausschluss der Orthodoxie aus der westlichen Wertegemeinschaft (vgl. hierzu und zur Haltung deutscher Theologen M. Tamcke, „Christen in der islamischen Welt“, 2008, C.H. Beck, S. 62 ff.).

    Mittlerweile scheint zumindest bei einigen Theologen und Kirchenvertreter des Westens eine größere Offenheit für die Geschwister im Nahen und Mittleren Osten vorhanden zu sein, wenngleich noch immer eine große Distanz zwischen „Orient“ und „Okzident“ auch im innerchristlichen Verhältnis herrscht und Vorbehalte in der Westkirche auch weiterhin Bestand haben.

    Insofern möchte dieser Blog auch einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Distanz abzubauen und Verständnis füreinander zu fördern.