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    In Libanon, Syrien und Irak haben Christen auch in diesem Jahr am 14. September das „Fest des Kreuzes“ (Arabisch: `Eid as-salib) begangen.

    Das Fest – auch bekannt als das Fest der Kreuzerhöhung oder Fest des Triumphes des Kreuzes – erinnert an drei historische Ereignisse: die Entdeckung des Wahren Kreuzes im Jahr 326 durch St. Helena (Mutter des römischen Kaisers Konstantin I.), seine erste Erhöhung zur öffentlichen Verehrung im Jahr 335 und die Wiedererlangung des Kreuzes aus den Händen der Perser im Jahr 628 n. Chr.

    Das Fest heute ist aber mehr als reine historische Tradition, sondern erinnert an  die Überwindung des Leids und die Erlösung durch Christus.

    In jedem Jahr steigen etwa Christen im syrischen Maloula auf den dort gelegenen Berg und entzünden oben angelangt ein Feuerwerk in Form eines Kreuzes. Dieses Jahr fiel die Feier aufgrund der politischen Situation und der vorangegangenen Anschläge auf Kirchen jedoch weniger ausgelassen aus.

    Auch in Libanon füllen sich die Straßen mit Menschen, die Kreuze tragen und auch hier gehören Fackeln, Kerzen und Feuerwerk zu den Festivitäten.

    Jedes Jahr zum Fest des Kreuzes wird das Symbol der Christenheit in der Region seiner Entstehung deutlich sichtbar präsentiert und gefeiert. Im Westen hingegen haben nur wenige Geschwister von dieser Tradition Kenntnis, die doch ein wunderschönes Symbol des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung ist.

    In diesem Sinne: Eid Mubarak! (Frohes Fest)

    Mit Informationen von Herrn Abut Can, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, der den Besuch des Patriarchen vor Ort miterleben durfte.

    Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Afram II. hat die südosttürkische Stadt Tur Abdin besucht, nachdem der letzte Patriarchatenbesuch 43 Jahre zurücklag. Entsprechend wurde der Besuch als starkes Zeichen der Aufmerksamkeit und Aufwertung der Beziehungen zwischen dem Patriarchat und der christlichen Gemeinschaft in Tur Abdin gewertet.

    Der Besuch war ursprünglich bereits für 2023 geplant, wobei dann das große Erdbeben in der Türkei die Pläne durchkreuzte und eine Verschiebung des Besuchs zur Folge hatte.

    Für das syrisch-orthodoxe Christentum ist Tur Abdin eine bedeutsame Region, in der Kirchen und Klöster aus dem 3. und 4. Jahrhundert nach Christus liegen. Von den einst etwa 200.000 Christen leben heute noch ca. 2600 Menschen vor Ort. Die meisten Menschen wurden in den 1980er und 1990er Jahren vertrieben, insbesondere nach der Machtergreifung des Militärs unter Führung von Gen. Kenan Evren 1980. Die kemalistische Militärdiktatur unterdrückte insbesondere Minderheiten und führte zu einer großen Fluchtwelle auch von Christen aus ihren angestammten Orten und Regionen. Erst mit der Präsidentschaft von Recep Tayyip Erdoğan besserte sich paradoxerweise die Lage der Christen in der Türkei schrittweise. So wurde beispielsweise von den Behörden bereits beschlagnahmtes christliches Klosterland per Präsidentendekret an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben. Auch der jetzige Besuch des Patriarchen fand mit Billigung und Unterstützung der türkischen Regierung und der lokalen Regierungsvertreter statt. Bezeichnend für die neue Haltung gegenüber den Christen in der Region war auch die Verwendung des vollständigen Titels des Patriarchen durch türkische Regierungsvertreter, wie Herr Can im Interview mitteilte.

    Mehrere Bischöfe, darunter auch der Bischof von Istanbul, begleiteten den Patriarchen auf seiner Reise in verschiedene noch besiedelte Ortschaften und zu Klöstern und Kirchen. Besonderes Aufsehen erregte das Geschenk des Patriarchen an den Bischof von Tur Abdin, dem er sein eigenes Kreuz überreichte.

    Bis zur Gründung der kemalistischen Republik Türkei war das Kloster Deir az-Zafaran bei Mardin in der Türkei von 1160 bis 1932 Sitz des Patriarchen der syrisch-orthodoxen Kirche. Sollte sich die Sicherheitslage in Damaskus weiter verschärfen und die türkische Regierung weiterhin ihren offenen Kurs gegenüber Christen fortführen, so könnte das Patriarchat eventuell in Zukunft auch wieder in die angestammte Heimat zurückkehren. Doch bislang gibt es für diese Vermutung keine offiziellen Verlautbarungen oder Hinweise. Über weitere Entwicklungen hierzu sowie zur Lage in Tur Abdin und Mardin wird der Blog berichten.

    Klöster und Kirchen in Tur Abdin. Mit freundlicher Genehmigung von Abut Can (Urheber).

    Die katholische Nachrichtenagentur Acimena und andere Medien berichteten heute von einem israelischen Bombardement auf Gaza, bei dem die einzige katholische Kirche vor Ort getroffen wurde. Mindestens zwei Menschen sollen dabei gestorben sein.

    Seit Kriegsbeginn wurden in Gaza von Israel immer wieder Kirchen und Moscheen angegriffen und zerstört.

    Sind Gotteshäuser durch das Völkerrecht geschützt? Die Antwort ist eindeutig ja, sofern sie nicht durch eine Kriegsparteie zu militärischen Zwecken genutzt bzw. missbraucht werden.

    In Bezug auf Russland, das in der Ukraine ebenfalls zahlreiche Kirchen attackiert hat, schrieb Domradio.de zu dieser Frage:

    „Schaut man in die Liste der Kriegsverbrechen der Vereinten Nationen und in die Texte, die zum „Humanitären Völkerrecht“ zählen, findet man nirgends den Satz, dass Gotteshäuser von Kriegshandlungen verschont werden sollen. Allerdings gibt es verschiedene Regelungen, die Kirchen, Synagogen oder Moscheen mit einschließen. „Das ´Humanitäre Völkerrecht´ lässt nur direkte Angriffe gegen militärische Ziele zu. Dazu zählen definitiv keine Gotteshäuser,“ sagt dazu Bernhard Koch vom Institut für Theologie und Frieden in Hamburg gegenüber DOMRADIO.DE.“

    Quelle: https://www.domradio.de/artikel/weshalb-bombardiert-russland-kirchen-der-ukraine

    Gotteshäuser kommen also auch in anderen Kriegen und Konflikten unter Beschuss, auch wenn dies eine grundsätzlich rechtswidrige Kriegshandlung darstellt.

    Die Gedanken und Gebete sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.

    Nach den Angriffen radikaler israelischer Siedler auf das christliche Dorf Taybeh (s. Bericht unten) haben sich am vergangenen Montag, der 14. Juli, Kirchenführer verschiedener Konfessionen in Taybeh eingefunden, um ihre Solidarität mit den Einwohnern und ihre Besorgnis über die jüngsten Angriffe auf das Dorf und die dort liegenden religiösen Stätten, wie das St. George Kloster aus dem 5. Jahrhundert, zum Ausdruck zu bringen.

    Bildquelle: A plea for peace from Taybeh – Vatican News

    Im Anschluss an den Besuch veröffentlichte das Patriarchat von Jerusalem zusammen mit den Führern der Kirchen im Heiligen Land eine Erklärung, in der sie sich mit einem Appell an Politiker*innen, Diplomat*innen und Kirchenführer*innen richten, die zum Schutz von Taybeh und seiner Einwohner aufgerufen werden. Der gesamte Text der Erklärung findet sich unten stehend.

    Christliches Leben sieht sich nicht nur im besetzten Westjordanland sondern auch in West-Jerusalem und anderen Teilen Israels zunehmenden Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt.

    Meine Rezension zum neuen Buch von Pastor Munther Isaac aus Bethlehem ist nun auf Qantara.de veröffentlicht worden: „Christ in the Rubble“ von Munther Isaac: Christliche Argumente gegen den Gazakrieg | Behnam Heidenreuter-Said | Qantara.de

    Wer das Buch noch nicht gelesen hat, wird in der Rezension hoffentlich genügend Anregung finden, es sich zu beschaffen und zu lesen.


    Im Osten Ramallahs, im besetzten Westjordanland, liegt die jahrhundertealte Ortschaft Taybeh. Taybeh gehört zu den überwiegend von Christen besiedelten Orten in der Region. Am Rande dieser Ortschaft haben radikale jüdische Siedler vor wenigen Wochen einen so genannten „Außenposten“ auf der Ruine eines palästinensischen Hauses errichtet, deren Bewohner vor einem Jahr vertrieben wurden.

    Die reichte Agrargegend verfügt über Olivenbaumplantagen und Schafherden, wobei radikale Siedler in den letzten zwei Jahren palästinensischen Bauern und Bäuerinnen immer wieder den Zutritt zu ihrem Land verwehrt haben.

    Pater Bashar Fawadleh, Pfarrer der Kirche Christi des Erlösers in Taybeh, sagte gegenüber ACI MENA: „Die Stadt, die im Johannesevangelium (11,54) als ‚Ephraim‘ bezeichnet wird – der Ort, an den sich Jesus vor seinem Leiden zurückzog –, ist heute für ihre Bewohner nicht mehr sicher… Wir leben nicht in Frieden, sondern in täglicher Angst und Belagerung. Seit letztem Oktober haben mehr als zehn Familien Taybeh aus Angst vor anhaltender Gewalt und Schikanen verlassen.“

    Am vergangenen Mittwoch haben nun Siedler wieder massive Angriffe gegen die in Taybeh und Umgebung lebenden Menschen und ihr Eigentum ausgeführt.

    Die verbliebenen palästinensischen Christinnen und Christen, ebenso wie ihre muslimischen Nachbarn, leben in Angst und Schrecken und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis weitere Familien aufgeben und das Land verlassen, womit das Christentum in seinem Entstehungsland langsam verschwindet.

    Priest warns: Christian town of Taybeh in Holy Land no longer safe amid settler attacks | Catholic News Agency
    West Bank: Three Palestinians killed during Israeli settler attack
    Israeli settlers clash with Palestinians in attack on West Bank villages – The Washington Post
    Footage shows “Israeli” settlers attacking Taybeh village in Ramallah – YouTube

    Der Anschlag auf die Besucher der griechisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Elias, die südlich der Altstadt von Damaskus gelegen ist, war der erste seit der Machtergreifung von  Ahmed Hussein al-Sharaa alias „Abu Muhammad al-Jaulani“ im Dezember 2024. Die Christinnen und Christen in Damaskus reagierten mit einer Mischung aus Bestürzung und Zorn. Die Toten wurden in weißen Särgen mit der Aufschrift „Märtyrer“ (Arabisch: shahid,  شَهيد), durch die Straßen getragen, womit ein Zeichen gesetzt wurde, dass die Bürgerinnen und Bürger Damaskus sich nicht einschüchtern lassen würden. Der Patriarch von Antiochien,  Johannes X. Jasidschi,  hielt eine Ansprache, in der er den Präsidenten al-Sharaa direkt ansprach und ihm mitteilte, dass seine Anteilnahme alleine nicht ausreiche. „Herr Präsident, ich wende mich an Sie: Rufen Sie diesen Tag nicht als Trauertag für uns, die Christen aus.  wir möchten nicht, dass jemand für uns trauert Rufen Sie stattdessen diesen Tag als Trauertag für die Regierung aus. Die Toten, so der Patriarch weiter, seien nicht einfach „Opfer“, sondern „wahrhafte Märtyrer“.

    Die Reaktion auf den Anschlag lässt erkennen, wie tief verwurzelt Christen in Syrien, besonders in Damaskus, sind und wie sie mit großem Selbstbewusstsein auch gegenüber der Regierung ihre Rechte und Anliegen vertreten. 

    Das digitale Netzwerk „Eastern Christians“ hat mittlerweile eine Spendenseite für notleidende und verfolgte Christen veröffentlicht: Stand with Christians in Syria and the Middle East

    „Die Wiege der Kirche, der Christenheit ist der Orient.“ C. Detlef G. Müller (Geschichte der orientalischen Nationalkirchen, Göttingen 1981)

    Die Arabische Welt sowie Länder Vorder- und Zentralasiens – auch als „Orient“ bezeichnet – werden zumeist als rein muslimische Gesellschaften wahrgenommen. Doch leben hier viele der ältesten christlichen Gemeinschaften. Die Seite informiert über Historisches und Aktuelles zum Thema Christen im Nahen und Mittleren Osten.

    Das so genannte „orientalische“ Christentum hat eine bemerkenswerte Vielfalt aufzuweisen und gerade für „Neueinsteiger“ ist es manchmal nicht einfach, den Überblick über die verschiedenen Kirchen und Konfessionen zu bewahren.

    Für eine erste kleine Einführung: Die in Deutschland vertretenen christlichen Hauptkonfessionen römisch-katholisch sowie lutherisch-evangelisch finden sich auch im Nahen und Mittleren Osten, wenngleich die beiden Konfessionen dort weniger Einfluss und Mitglieder haben als die angestammten Kirchen. Allerdings gibt es viele andere, teilweise auch deutlich ältere, Gemeinden. Hierzu gehören u.a. die Kopten Ägyptens, die mit Rom unierten Maroniten des Libanons, die Syrisch-Orthodoxe Kirche sowie die Griechisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien mit Sitz des Patriarchen in Damaskus/Syrien.

    Deutsche Theologen des 19. und 20. Jahrhunderts waren der so genannten „östlichen“ oder „orientalischen“ Kirche in nicht wenigen Fällen aus einer eurozentristischen Perspektive heraus tendenziell negativ eingestellt, so etwa Friedrich Naumann (1860-1919) oder auch Paul Rohrbach (1869-1956), die aus ihrer ablehnenden Haltung kein Geheimnis machten. Die östlichen Kirchen wurden oft als negativer Gegensatz zur „Aufklärung“ verstanden und letztlich vollzog dann der konservative US-amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington (1927-2008) den letzten Denkschritt von der Abwertung zum Ausschluss der Orthodoxie aus der westlichen Wertegemeinschaft (vgl. hierzu und zur Haltung deutscher Theologen M. Tamcke, „Christen in der islamischen Welt“, 2008, C.H. Beck, S. 62 ff.).

    Mittlerweile scheint zumindest bei einigen Theologen und Kirchenvertreter des Westens eine größere Offenheit für die Geschwister im Nahen und Mittleren Osten vorhanden zu sein, wenngleich noch immer eine große Distanz zwischen „Orient“ und „Okzident“ auch im innerchristlichen Verhältnis herrscht und Vorbehalte in der Westkirche auch weiterhin Bestand haben.

    Insofern möchte dieser Blog auch einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Distanz abzubauen und Verständnis füreinander zu fördern.